Mitarbeiterführung, wie sie nicht sein sollte

Mitarbeiterführung

Der Chef from Hell

Kürzlich hatte ich das „Vergnügen“ meinen Urlaub gemeinsam mit dem Vorstand einer Aktiengesellschaft, die circa 20 deutschlandweite Niederlassungen sowie mehrere hundert Mitarbeiter hat, zu verbringen. Und ich muss sagen, es war WIRKLICH interessant! Denn zu den Thesen, die diese noch junge „Führungskraft“ heraushaute, gehörten die folgenden:

Auch im Urlaub muss ich selbstverständlich IMMER ans Telefon gehen und IMMER E-Mails beantworten. Egal, ob und dass meine Frau nebst kleiner Tochter ebenfalls anwesend sind.
Denn:

  • In der Firma funktioniert es nicht ohne mich.
  • Meine Mitarbeiter sind dumm und faul.
  • Ich muss deshalb den ganzen Tag Feuer löschen.

Was für ein armer Wicht – wie sich herausstellen wird, nicht etwa, weil er Feuerlöscher spielt, aber das hast Du wohl bereits aus spätestens seiner zweiten Aussage ableiten können.

Und weiter ging es:

  • Meine Mitarbeiter wollen nur vier Tage arbeiten.
  • Sie identifizieren sich nicht mit der Firma.

Und die allergrößte Unverschämtheit aus Sicht dieses „Chefs“: Seine Mitarbeiter möchten während ihrer Urlaubszeit ihre Telefone für Anrufe aus dem Büro sperren! Ja, wo kommen wir denn dahin? So etwas geht doch gar nicht!

So viel zu den „Bon Mots“, die der werte Herr in den Tagen, in denen ich mich eigentlich entspannen wollte (und zu denen er strenggenommen auch gar nicht eingeladen war), zum Besten gab. Meine Versuche, mich mit ihm circa eine Stunde lang über diese Thesen und seine damit zusammenhängende Einstellung zu unterhalten, verliefen natürlich sehr konstruktiv – nicht!

Stell Dir vor, es ist Arbeit und keiner geht hin.

Ich versuchte, ihm darzustellen, dass nicht seine Mitarbeiter das Problem seien, sondern er. Es dürfte Dich wenig überraschen, dass meine Sicht der Dinge keine Gegenliebe, geschweige denn Verständnis fand. Ebenso wenig konnte er nachvollziehen, dass Mitarbeiter, die um die 35 Jahre alt sind, andere Prioritäten setzen, als ältere Generationen. Ihnen sind Freizeit und die sogenannte Work-Life-Balance wichtiger als ein dickes Bankkonto oder ein großes Auto.

Und nun kommt es noch besser: Besagter Vorstand ist nicht etwa bereits Teil dieser Generation 60 + -und an dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ich bereits unzählige Führungskräfte dieses Alters getroffen habe, die eine „generationenuntypische“ Weitsicht bezüglich ihrer Mitarbeiter haben und auch leben. Er ist gerade einmal Anfang Vierzig, verhält sich aber wie ein Klischee-60 Plus’ler, dem Geld wichtiger ist als Familie, Freunde und Freizeit.

Dinge, die kein Mitarbeiter bekommen sollte

Er ist des Weiteren überzeugt, dass man Mitarbeiter keinesfalls die folgenden Dinge gewähren sollte, da sie einem sonst auf der Nase herumtanzen:

  • Zu freundlich sein
  • Ihnen entgegenkommen
  • Ein offenes Ohr und eine offene Bürotür

Der Humanunternehmer

Wieder wird es Dich nicht überraschen, dass dieser Mann keine Ahnung hat, was es mit dem Konzept New Work auf sich hat. Auch wurden meine Vorschläge sich mal mit Gunnar Barghorn, dessen Podcasts, TV-Sendungen oder dem Buch Der Humanunternehmer zu beschäftigen, so gar nicht in Erwägung gezogen.

Wie ein noch junger Mann es mit diesem Mindset bis zur Rente schaffen möchte – und wie er dabei noch Frau und Kinder halten will – ist mir ein absolutes Rätsel. Aber das Gute daran: Mein Problem ist es nicht, mir tun allerdings seine Familie und seine Mitarbeiter leid.

Ohne Mitarbeiter kann ein Unternehmen dicht machen

Offen gestanden, stehe ich auch Tage später noch unter Schock. Wie kann eine „Führungskraft“ – in meinen Augen ist er das nicht – in der heutigen Zeit noch solch antiquierten und archaischen Glaubenssätzen anhängen und diese in der Tat auch leben? Ihn wundert es allen Ernstes, dass er keine Mitarbeiter für sein Unternehmen findet. Anstatt sich selbst zu hinterfragen – leider muss ich sagen, dass dies noch nie zu seinen Stärken gezählt hat – schiebt er die Schuld auf die Mitarbeiter. Denn diese sind faul, wollen nicht arbeiten, machen nur Dienst nach Vorschrift und Wochenenden wollen sie als solche nutzen.

Ich sage: Seine Mitarbeiter machen ALLES richtig – angefangen bei der inneren Kündigung bis hin zum Sperren ihrer Telefone an Wochenenden und während des Urlaubs.

Ich sage weiterhin: Wer einen solchen Chef hat, braucht wirklich keine Feinde mehr und sollte sich schleunigst einen Arbeitgeber suchen, der Mitarbeiter als das sieht, was sie tatsächlich sind. Nämlich das, was ein jedes Unternehmen am Leben erhält, das zudem glückliche und zufriedene Kund hat. Und damit dies funktioniert – und glücklicherweise machen das fast alle Führungskräfte heutzutage – braucht es nur diese kleinen Dinge, die so wichtig sind:

  • Vertrauen
  • Wertschätzung
  • Verantwortungsübertragung
  • Ein offenes Ohr für berufliche und persönliche Themen
  • Eine gute Work-Life-Balance, denn Arbeit und Geld sind nicht alles

Die Hoffnung, dass der Herr, mit dem ich das Missvergnügen hatte, einen Teil meines Urlaubs zu verbringen, dies jemals verstehen wird, habe ich aufgegeben. Abschließend sei gesagt, dass ich mit ihm niemals wieder Urlaub machen werde und auch keinen großen Wert darauf lege, meine wertvolle Freizeit mit ihm zu teilen.

Was ist aber zu tun, wenn der Chef so tickt?

Zugegeben, man kann solche Menschen nur bedingt ändern. Wenn die Person nicht will und nicht einmal das Problembewusstsein hat, dann ist es leider fast unmöglich, dass es eine Veränderung gibt.

Dir bleiben zwei Möglichkeiten:

  • Bleiben und dulden
  • Dir einen neuen Arbeitgeber suchen

Was Unternehmen tun können

Als Arbeitgeber ist man sich manchmal gar nicht bewusst, dass man so von seinen Mitarbeitern wahrgenommen wird. Hier kann eine regelmäßige und anonyme Umfrage helfen. Dazu dient unser Stimmungsbarometer.

Am Ende erhältst Du in nur 3 Tagen ein kristallklares Bild davon, was Deine Mitarbeiter über Dich und Dein Unternehmen denken. Wenn einem Unternehmer diese grundlegenden Informationen fehlen, dann ist er ständig mit Entlassungen oder mittelmäßigen Leistungen der Mitarbeiter konfrontiert.

Das führt dann zu den oben genannten Symptomen.

Weitere Informationen zu Mitarbeiterbefragungen findest Du hier.

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