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Unternehmertum und wie Du es schaffen kannst: eine wahre Geschichte

Jeder Unternehmer hat einmal ganz klein angefangen. Und das nicht immer unbedingt sofort mit dem Masterplan, Businessplan oder überhaupt irgendeiner Art von Plan. Einige Unternehmer haben auch einfach beschlossen, „drauf los“ etwas zu „unternehmen“. Um das Ganze noch ein wenig interessanter zu machen, haben sie sich dafür auch gleich in ein völlig fremdes Land aufgemacht. Du ahnst vielleicht, wer einer dieser Jungspunde war? Richtig: Niemand anderer als ich – vor 20 Jahren.

Vive la France – Wein, Käse und Windparks

Vor 2 Jahrzehnen waren erneuerbare Energien gewissermaßen noch Zukunftsmusik, jedenfalls in Frankreich. Klar, dass man mit beispielsweise Wind Energie und Strom erzeugen kann, war auch damals nichts Neues. Eher die Art und Weise, wie man das alles umsetzen kann. Mit jeder Menge Ideen, aber mit null Peilung und ohne Sprachkenntnisse, beschlossen zwei deutsche Jungs, kurzerhand in der Deutschen liebstes Nachbarland zu reisen – nach Frankreich.

Anmerkung: Nur einer der beiden deutschen Jungs hatte – zumindest bezüglich Frankreich – so wirklich gar keinen Plan. Der andere hatte bereits Land, Leute und Sprache im Zuge eines Erasmus-Programms sammeln können – inklusive des Kontaktes zu einem Kommilitonen.

Immerhin gibt es dort alles, was das Herz begehrt. Tolles Essen, tollen Wein, wunderschöne Frauen – nur eben keine Windräder beziehungsweise Windparks. Aber das neue französische Stromeinspeisegesetz aus dem Jahr 2001 sah vor, dass Strom aus Windenergie garantiert von den Stromkonzernen zu bezahlen war, das regelten also die Spielregeln!

Wie erwähnt, gab es bereits einen Kontakt zu einem französischen Rechtsanwalt und baldigen Mitgründer. Dieser war sofort mit an Bord und wurde Präsident des Startups. Und er brachte wiederrum seinen Freund, einen Sportlehrer, mit. Ein charmanter und überzeugender Typ, der die französische Kultur allen nahe und die Gruppe oft an den Rand des Nervenzusammenbruchs brachte.

Vier Jungs auf „Eroberungszug“ in Frankreich – eine gelungene Kollaboration

Ja, die Deutschen und Frankreich sind ein spezielles Thema. Aber hier geht es diesmal um eine sehr gelungene Kollaboration. Die mit wenig Plan begann, mit viel Witz und Chaos und zu viel gutem Essen umgesetzt wurde und die ein oder andere Anekdote hervorbrachte, über die auch diejenigen lachen, die niemals mit dabei waren.

 

Unternehmertum

Nach Implementieren der Struktur und der Organisation gelang es den vier Jungs, die Firma in Frankreich zu positionieren. Es war schwer. Bis zum Tag der Vertragsunterschrift unter dem Verkaufsvertrag war ich als Directeur Général ständig auf Achse und am Telefon. Wir arbeiteten von einem Kinderzimmer aus und fuhren für unsere Mission durch das ganze Land und schliefen in Doppelzimmern oder fast überhaupt nicht.

Unser Ziel war es, so viele Landwirte wie möglich davon zu überzeugen, dass sie uns ihr Land für Windmühlen zur Verfügung stellten. Das gelang. Diese Aufbauarbeit wurde von großen Spielern aus der Windszene beobachtet und nach kurzer Zeit wurde unsere Firma gekauft. Und man muss sagen, dass das in der Folge nötige Loslassen – ein Thema für alle Menschen in Führungspositionen, die eine Position räumen (müssen), sehr schwer war. Nach dem Verkauf wendeten sich die beiden deutschen Gründer anderen Projekten weltweit zu und die beiden Franzosen leiten beziehungsweise begleiten die Firma noch immer.

Das alles hätte nicht funktioniert, wenn die vier nicht eine inoffizielle Rollenverteilung gehabt hätten. Da gab es den Antreiber, den Motivator, den Organisator und den Überzeuger. Somit brachte jeder der Jungs seine Kompetenzen und Stärken mit an den (Verhandlungs-)Tisch.

Mittlerweile sind wir 20 Jahre weiter. Und damit auch die französische Niederlassung des deutschen Windparkbetreibers. Längst gibt es nicht mehr nur den Firmenhauptsitz in Paris, sondern auch 10 weitere Zweigstellen in Frankreich.

Was ist aus der Idee, in Frankreich einfach mal zu machen und eine Firma rechtzeitig an andere abzugeben, geworden?

  • Mehr als 32 Windparks, wurden bislang gebaut.
  • Mehr als 1 Mio. Haushalte, die ihren Strom durch diese Windparks beziehen.
  • 150 Mitarbeiter sind in der Firma, die die Gründer aufgebaut haben, jetzt beschäftigt.
  • Tausende Bauern erhalten jedes Jahr Summen bis zu 20.000 Euro für die gepachteten Länder, auf denen Windanlagen gebaut wurden.
  • Hinzu kommen 80 Solar-Projekte, die aktuell in der Entwicklungsphase oder bereits abgeschlossen sind.
  • Manche steile Karieren – wie die eines externen Rechtsanwaltes und Freundes – der sich auf dem Spezialgebiet der Windenergie einen Namen gemacht hat und nun eine Partnerposition erreicht hat, waren weitere Folgen der Gründung.
  • Duzende Gemeinden erzielen nun durch die Windparks Gewerbeeinnahmen die es vorher nicht gab.

Nicht labern – machen!

Du siehst also – es muss nicht immer eine von vorne bis hinten durchdachte Idee hinter einem Business Venture stehen. Manchmal zahlt es sich auch aus, einfach mal zu machen, anstatt lange zu zaudern und zu labern. Wir vier haben uns vor einigen Wochen zum 20-jährigen Jubiläum in Paris getroffen. Aus den vier sind Erwachsene geworden – die aber immer noch genauso viele Flausen im Kopf haben, wie vor 20 Jahren.

Diese Geschichte hat zwei Lehren:

  • Trau Dich, aus Deiner Komfortzone zu klettern, trau Dich, auch eine scheinbar hanebüchene Idee einfach in die Tat umzusetzen. Was ist das Schlimmste, das passieren kann? Du fällst auf die Nase – und dann stehst Du einfach wieder auf und fängst von vorne an. Das Beste, was Dir passieren kann? Nicht, dass Du im Idealfall ein tolles Unternehmen gegründet hast. Sondern, dass Du in dieser Zeit Freundschaften geknüpft hast, die auch Jahrzehnte später noch Bestand haben.
  • Wenn Du siehst, dass Dein Weg in einer Organisation am Ende ist und du nicht mehr die Möglichkeiten hast, die Organisation zu ändern und Du merkst, dass Dein Weg hier sonst zu Ende wäre. Bewege Dich aus der Komfortzone und fange was Neues an, dass Dich glücklich machen kann.

Was ich bereue? Dass ich in der Zeit in Frankreich nicht diese schöne Sprache gelernt habe.

Bon Voyage auf Deiner eigenen Reise.

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